Münster und seine Rieselfelder im April/Mai 2012

Für unsere diesjährige Exkursion standen die Rieselfelder von Münster auf dem Programm. Manch einer könnte sich jetzt fragen, was die Vogel- und Blümchersgucker vom NABU, vier Tage lang im Münsteraner Abwasser zu finden hoffen. Nein, Abwasser spielt hier schon lange keine Hauptrolle mehr - jedenfalls nicht auf den Rieselfeldern. Zwischen den 1960er und Ende der 80er Jahren wurden bereits weite Teile dieses Gebietes unter Schutz gestellt und schließlich zum EU-Vogelschutzgebiet erklärt. Heute befinden sich auf einer Fläche von ca. 450 Hektar über 130 Einzelteiche, die seltenen Zug- und Brutvögeln Schutz bieten.

Bereits bei der Anreise fielen die vielen Fahrradfahrer der Universitätsstadt auf, die während unseres Aufenthaltes noch unsere Reaktionsfähigkeit auf die Probe stellen sollten. Um die anderen Hotelgäste durch unsere knurrenden Mägen nicht zu stören, begaben wir uns, direkt nach der Zimmerinspektion, mit modernster Technik auf die Suche nach einem akzeptablen Mittagstisch. In Anbetracht der geringen Zeitspanne, die uns zum Essen blieb, kamen uns die angebotenen Suppen und Omeletts gerade recht. Mit Blick auf die Uhr und schnellerem Schritt, folgten wir Karin Zang zum vereinbarten Treffpunkt für eine eigens organisierte Stadtführung. Wir hörten viel über Kirchen, Stadt und Wetter, denn man sagt: "Entweder regnet es in Münster, oder es läuten die Glocken. Geschieht beides gleichzeitig, ist Sonntag."

Mangelnde Ortskenntnis führte zu einem gewissen Gruppenzwang in der Gruppe Zang. Botanisch untermalt durch Lothar Schaumberger, der uns die Vorzüge der gepflanzten Bäume näherbrachte, steuerten wir mit einem Zwischenstopp im Hotel ein gemütliches Restaurant an und beendeten den ersten Tag mit einem geselligen Abend.

Samstag, neun Uhr: Sammeln und Abfahrt in die Rieselfelder. Sven Trautmann übernahm bei bestem Wetter die Führung und geleitete uns zur ersten Beobachtungshütte. Begeisterung machte sich breit. Sofort wurden unsere drei verfügbaren, werbefreien Fern-seh-Programme eingerichtet. Das Bestimmungsbuch wurde zur Programmzeitschrift und es begann das Duell um den besseren Sender. Den Spektiven wurde einiges abverlangt, denn auch der letzte erkennbare Schlammwinkel wurde nach Limikolen abgesucht. Die Beobachtungen und Rufmeldungen überschlugen sich. Schnell wuchs unsere Liste auf 60 Vogelarten. Die Euphorie war kaum zu bremsen, als die ersten Knäkenten gesichtet wurden. Dann wurde es hektisch in der Runde. Ein Tisch im örtlichen Biergarten war zum Mittagessen reserviert - die Zeit wurde knapp und der Gruppenzwang kehrte zurück.  

Auch der Nachmittag hielt spannende Beobachtungen auf Lager. Unsere Botaniker waren tapfer und freuten sich über die Schilfhalme, an denen die Vögelchen saßen. Schnell ein Blaukehlchen! Schade schon weg... Tja, damit müssen die Ornis leben, denn einem Botaniker kann so etwas nicht passieren. Ein Blümchen ist nicht so schnell weg, es sei denn, es würde gefressen.

Abschließend führte uns Sven noch durch die Räumlichkeiten seiner Arbeitsstelle, dem Dachverband Deutscher Avifaunisten und erläuterte dessen Aufgaben. Beispielsweise werden hier alle gemeldeten Rast- und Brutvorkommen unserer Piepmätze gesammelt und ausgewertet.

Alles in allem war der Tag sehr erfolgreich aber anstrengend, denn es kamen einige Kilometer auf der weitläufigen Fläche zusammen und jeder freute sich auf den "Feierabend" in einem regionalen Brauhaus.

Sonntag, die Glocken läuteten aber es regnete nicht. Wer jetzt nach einem "warum" fragt, fährt nicht mehr mit. Unter ortskundiger Leitung startete die Exkursion in die Davert. Dieses große Naturschutzgebiet besteht überwiegend aus Laubwald und einigen Offenflächen. Der NABU Münsterland hat hier ein Beweidungsprojekt mit Heckrindern und Konikpferden gestartet. Im Wald sind zahlreiche Schmetterlinge heimisch und botanisch gab es ebenfalls viel zu entdecken. Das Scharbockskraut und Busch-Windröschen waren gerade am Abblühen, während der Adlerfarn seine Wedel entrollte. Hinter eines Baumes Rinde, wohnt die Made mit dem Kinde... Das wusste schon Heinz Erhard. Der Mittelspecht erinnerte sich ebenfalls und meldete sich zur Verzückung der Ornis einige Male.

 

 

Im "Stammlokal" an den Rieselfeldern gestärkt, wollten wir noch einige weitere Beobachtungspunkte anfahren. Sven lotste uns souverän zu weniger überlaufenen Stellen, denn es war immer noch Sonntag und die Sonne schien... Ein Feldschwirl sorgte wieder für Aufregung in der Gruppe, bis er als solcher identifiziert wurde. Die Stimmung explodierte förmlich, als sich ein Blaukehlchen direkt vor uns am Schilfrand zeigte. Ein schweres Los für die Botaniker...

Eine gewisse Entschädigung gab es dann am letzten Tag im Schlosspark, mit angrenzendem Botanischen Garten und einigen baumbrütenden Dohlen. Eine gepflegte, sehenswerte Anlage mit vielen Seltenheiten. Als der Wunsch nach Kaffee und einem Stück Kuchen wuchs, knickte die Stimmung allerdings wieder etwas ein. Das Café am Park hatte geschlossen und der nächstgelegene Biergarten hatte nichts zum Mittagstisch im Angebot. Ein großes Weizen kostete weniger als eine normale Apfelschorle und die Bedienung machte einen reichlich genervten Eindruck.

Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Während der größte Teil der Truppe die Stadt unsicher machte, setzte sich ein "harter Kern" noch mal in die Rieselfelder ab. Beobachtungen wie Kiebitzregenpfeifer und Säbelschnäbler knackten die Marke: über 100 identifizierte Vogelarten, die auch am Abend gebührend gefeiert wurden.

 

Schön war's, das muss man sagen, wer Münster bei Sonne erleben will, sollte mit dem NABU auf Exkursion fahren. Wer in Münster noch mehr will, zahlt auch mehr, denn Extras kosten extra...