Schleiereulen – Ergebnisse 2015

Die Schleiereule als bekannter Kulturfolger war ehemals ein häufiger Brutvogel. Nach der aktuellen „Rote Liste Brutvögel in Rheinland-Pfalz“ [1]  steht sie heute auf der Vorwarnliste. Die Schleiereule gilt als Vogelart für die Deutschland eine besondere Verantwortung hat, da zwischen 8% und 20 % des europäischen Bestandes bei uns leben.

Als in den 1970er-Jahren die Kirchen begannen, die Kirchtürme wegen der zunehmenden Taubenverschmutzung zu verschließen, wurden viele Schleiereulennistkästen in den Kirchtürmen eingebaut. Einige dieser Nisthilfen werden bis heute vorbildlich von örtlichen Eulenschützern betreut, andere gerieten in Vergessenheit, da die Betreuer wegzogen, aus Altersgründen den Turm nicht mehr hochsteigen können oder wegen anderer Ursachen. Zudem wurde vor ca. zehn  Jahren von der Vogelwarte Radolfzell das Beringungsprogramm bis auf wenige Teilflächen beendet.  In vielen Fällen sind deshalb die vorhandenen Daten über Schleiereulenbruten nicht bekannt. Diese werden aber zur Abschätzung von Bestandsentwicklungen gebraucht.
Da bei Schneelagen von mehr als zwei Wochen sehr viele Schleiereulen verhungern, schwanken die Bestände kurzfristig sehr stark. Zur Abschätzung der Populationsentwicklung sind deshalb kurzfristige Bestandsentwicklungen nicht aussagefähig. Man braucht langfristige Datenreihen, um abschätzen zu können, ob es heute weniger Schleiereulen gibt als früher oder um eine Grundlage zu haben, die Schleiereulenbestände über einen Zeitraum von 20 Jahren beurteilen zu können.

 

Die NABU-Gruppe Rhein-Selz (ehemals Oppenheim u. Umgebung) stand vor dem gleichen Problem und hatte die Daten ihres ehemals sehr intensiven Schleiereulenprogramms nicht. So begannen  wir im Sommer 2013 die vergessenen Kästen innerhalb der Verbandsgemeinde Rhein-Selz zu finden und wieder instand zu setzen. Ziel war es einerseits, das Nisthilfenprogramm wieder zu beleben und andererseits einen Überblick über den Bestand – zunächst nur in unserem Einzugsgebiet – zu erhalten.

Nach einem Jahr konnten wir in elf Nistkästen zwei erfolgreiche Bruten feststellen. Ob dieser Bestand größer oder kleiner als vor 30 Jahren ist, konnte aufgrund der geschilderten Probleme nicht beantwortet werden.

Deshalb nahmen wir Kontakt mit anderen NABU-Aktiven auf, die aktuell oder ehemals Schleiereulenkästen betreuten. Mit diesen Daten können wir nun auf 56 Standorte von Schleiereulenkästen zurückgreifen. Auch hier ist aufgrund des Fehlens alter Daten  keine Entwicklung  in der Vergangenheit ablesbar, aber die Ergebnisse stellen die aktuellen Bestandssituation in einem Teil von Rheinland-Pfalz im Jahr 2015 dar und können für die Beurteilung der zukünftigen Entwicklung verwendet werden:


[1] Simon, L. et al. (2014): Rote Liste der Brutvögel in Rheinland-Pfalz; Hrsg.: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz, Mainz

 

Fotos: U. Zentel

Grafik: LFA

Die 56 Nistkastenstandorte verteilen sich auf 32 Kirchen (57%) und 24 Scheunen oder Privathäuser (43%). 54 Nistkästen wurden kontrolliert.

  

Verteilung der Standorte

Anzahl

%

 Standorte insgesamt

56

100

 Kirchen

32

57

 Scheunen/ Privatgebäude

24

43

 kontrollierte Standorte

54

96

 Tabelle 1: Verteilung der Standorte der Nistkästen

 

Insgesamt gab es mit 17 Brutpaaren 21 erfolgreiche Bruten  mit Schwerpunkten im Selztal und östlich von Kirchheimbolanden im Leiselbachtal. Unter den 21 erfolgreichen Bruten konnten  6 Zweitbruten festgestellt werden, von denen 4 in Kirchtürmen und 2 in jeweils einem Privathaus stattfanden. 

2 der 17 Brutpaare waren erfolglos. In einem Fall wurden mehrere verhungerte junge Schleiereulen in einer Scheune gefunden, im anderen Fall blieben die Eier in einem Kirchen-Nistkasten unbebrütet.

 

Brutpaare und Bruten

Anzahl

%

 Brutpaare insgesamt

17

100

 erfolgreiche Brutpaare

15

88

 erfolglose Brutpaare

2

12

erfolgreiche Brutpaare in Kirche

10

67

erfolgreiche Brutpaare in Scheune

5

33

 

 

 

Bruten insgesamt

21

100

erfolgreiche Bruten in Kirche

14

67

erfolgreiche  Bruten in Scheune

7

33

 Zweitbruten insgesamt

6

 

 Zweitbruten in Kirche

4

67

Zweitbruten in Scheune

2

33

 Tabelle 2: Verteilung der Brutpaare und Bruten der Schleiereule

 

Am häufigsten wurde im Kirchturm  gebrütet. Hier wurden bei zwei Drittel der erfolgreichen Brutpaare insgesamt 14 Bruten festgestellt. Die restlichen 5 Brutpaare zogen ihre Jungen in einer Scheune oder im Dach eines Wohnhauses auf. 

In 10 der kontrollierten  Nistkästen fand überhaupt keine Brut statt, auch nicht von anderen Arten.

 

Verteilung der Brutvögel

Anzahl

%

Standorte ohne Brut

10

19

Dohlenbruten

14

26

Turmfalkenbruten

12

22

Taubenbruten

1

2

Schleiereule

17

31

 Tabelle 3: Verteilung der Konkurrenzbrüter

 

Typische Nistplatzkonkurrenten zur Schleiereule bei immerhin fast der Hälfte der Standorte sind Dohlen (26%) und Turmfalken (22%), die etwa gleichhäufig auftreten. Tauben (2%) spielen nur eine untergeordnete Rolle. Die Dohlen gehen bei der Nistplatzübernahme teilweise recht aggressiv vor, wie ich selbst mehrmals beobachten konnte und wer schon mal einen von Dohlen besetzten Nistkasten gesäubert hat, weiß dass dort eigentlich keine Eule mehr hinein passt. Es zeugt aber auch davon, dass Dohlen und Turmfalken ebenfalls unter Nistplatznot leiden.

 

Umso überraschender  ist es, dass Schleiereulen auch in einem von Dohlen eroberten Nistkasten zuweilen dennoch erfolgreich brüten. In Undenheim hat die Schleiereule erfolgreich gebrütet trotz des massiven Asteintrages. Da bei diesem Kasten der hintere Brutbereich noch zugänglich war kletterten die Eulen einfach über die Äste.

Bestätigt wird diese Beobachtung von  Waldemar Golnik, der im Eulenrundblick 2016 erfolgreiche Schleiereulenbruten in Kästen beschreibt, die seit einigen Jahren von Dohlen für ihre Bruten genutzt werden[1].  

 

Mit dem dargestellten Beispiel aus 2015 hoffe ich,  möglichst viele Eulenschützer zu motivieren, ihre Daten zur Verfügung zu stellen. Sinnvoll fände ich es, den jährlichen Brutbestand über einen längeren Zeitraum (z. B. 10 – 15 Jahre) zu beobachten, um bei Bedarf notwendige Maßnahmen einleiten zu können.

  

Bedanken möchte ich mich bei den Eulenschützern, die bereits ihre Daten zur Verfügung gestellt haben: Uwe Zentel, Ernst Wollfs, Hans König, Matthias Bösl, Helmut Birk, Heinfried Gress, Bodo Schmitt,  Herr Schäfer und Herr Rahn.

  

Text:  Barbara Geiger  im November 2016          



[1] S. 43 im Eulen-Rundblick 66 vom April 2016,  AG Eulen, Deutsche Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen e.V., http://www.ageulen.de/doku.php

 

 

 

 

 


Eulenfreunde gesucht!

Junge Schleiereule (Tyto alba guttata)
Junge Schleiereule (Tyto alba guttata)

Februar 2014. Wer kennt sie nicht diese schaurig-schönen Rufe in dunkler  Nacht? Die meisten Menschen wahrscheinlich aus dem Fernsehen. Doch ist es auch bei uns möglich mit Geduld und etwas Glück  die Rufe der Eulen im wirklichen Leben zu erfahren.   Besonders im zeitigen Frühjahr  - in milden Wintern auch schon ab Februar – sind Eulen besonders ruffreudig. Waldkauz, Steinkauz, Schleiereule, Uhu & Co, alle suchen sie nach einem neuen Lebensabschnittsgefährten für die anstehende Brutperiode.
Zu unserer Eulenexkursion am 22. Februar sind alle Eulenfreunde herzlich eingeladen. Details finden Sie im Infokasten.

 

Projekt Schleiereule
Wir, die NABU-Gruppe Oppenheim und Umgebung möchten herausfinden wie es in unserem Gebiet um die  Schleiereule bestellt ist. Hier sind Sie als Eulenfreund gefragt!

Lautlose Jäger der Nacht

- Eulenexkursion -

Samstag, 22. Februar 2014, 16:00 Uhr

Lernen Sie unter fachkundiger Leitung die Lebensräume unserer heimischen Eulenarten wie Waldkauz, Steinkauz, Schleiereule,  Uhu und Waldohreule kennen. Nach einer theoretischen Einführung geht es mit Beginn der Dämmerung auf Eulensuche. Es werden Fahrgemeinschaften gebildet. Dauer ca. 3 Stunden. Treffpunkt ist an der Bushaltestelle in der Fährstraße, Oppenheim.

Leitung: Siegfried Schuch, Telefon: 06133- 50488

Wie erkenne ich Schleiereulen?

Die größten Chancen Schleiereulen zu hören hat man während der Balzzeit (Februar – April, mit Höhepunkt im März). Das lautstarke Liebeswerben des Schleiereulenmannes hört sich für unsere Ohren nicht gerade liebevoll an, es erinnert eher an ein (Liebes-) Kreischen. Doch wenn er mal in Fahrt kommt, ist er auch weithin hörbar. Hier können Sie sich selbst davon überzeugen.

 

Wo finde ich Schleiereulen?

Als treuer Kirchgänger suchen sie sich geeignete Brutplätze in Kirchen. Genauso gerne wird eine ruhige und dunkle Ecke in einer zugänglichen Scheune angenommen. Schleiereulen sind - wie die meisten anderen Eulen auch – in der Nacht aktiv. Die lautlosen Jäger der Nacht bevorzugen Feldmäuse als Beute. Auf der Jagd fliegen sie entweder über eine Wiese oder  

sie warten, auf einem Stickel sitzend, auf vorbeikommende Opfer. Wer eine Eule bei der Jagd sieht, kann sich einen wahren Eulen-Glückspilz nennen. Eine größere Chance, Schleiereulen zu sehen, besteht, wenn man insbesondere zur Brut- und Aufzuchtzeit (März- Juli) vom Dunkelwerden bis Mitternacht den Brutplatz am Kirchturm oder in der Scheune beobachtet. Dort ist ein ständiges Ein und Aus, da für die Kleinen ja jede Menge Futter beizubringen ist.

Kann ich noch mehr tun?

Na klar! Wenn Sie einen Schleiereulen-Nistkasten im Kirchturm an Ihrem Wohnort betreuen möchten – im Wesentlichen den Nistkasten instand halten und eine jährliche Brutkontrolle durchführen - können Sie sich gerne bewerben.

Wie melde ich meine Funde?

Ansprechpartnerin ist Barbara Geiger, E-Mail: b-geiger[at]gmx.net, Tel: 06133 – 924629.

Melden Sie sich auch, wenn Sie nicht absolut sicher sind, eine Schleiereule gehört oder gesehen zu haben. Es ist noch kein Eulenexperte vom Himmel gefallen.

 

Was Sie tun können? Melden Sie uns Vorkommen von Schleiereulen. Das ist leichter gesagt als getan! Denn Schleiereulen leben  von Haus aus sehr zurückgezogen, jagen ausschließlich bei Dunkelheit und wechseln häufig den Tageseinstand.