Hab Falken im Garten

(Eine Fotogeschichte von P. Britz)

Nachdem in den letzten beiden Jahren die Waldohreulen bei uns erfolgreich gebrütet hatten, waren wir sehr gespannt wer wohl in diesem Jahr den Nistplatz in der Kiefer am Bleichweg erobern würde. 

Doch bis Anfang März tat sich nicht viel und so hatten wir schon die Befürchtung unser Nest würde unbesetzt bleiben. Dank des Logenplatzes von unserem Dachfenster aus,hatten wir ja jegliches Treiben dort bestens im Auge. Das Stativ mit Videokamera war schon installiert.

 Aber es war nicht mehr als nachts das „Singen der Säge“ (Waldohreule) zu vernehmen.

Ab Anfang April erkundete dann ein einsames Falkenmännchen (Turmfalke - (Falco tinnunculus)) lange und oft Nest und Umgebung. Kam aber jedes Mal ohne Partnerin wieder. Bis Mitte April.

Dann war es soweit. Ein Weibchen im Schlepptau, stellte er ihr die Auswahl für seinen Brutplatz vor. Nach mehrmaliger Inspektion desselben fand die Auserwählte auch Gefallen an dem Nest und seiner Lage. Und machte direkt ein Probeliegen.

 

Die letzten Tage im April wurden dann mit Verbesserungen am Nest; Hölzchen hierhin, Hölzchen dahin; gemeinsamen und getrennten Beutezügen sowie des Öfteren mit dem Vermehrungsritual verbracht. Was uns natürlich besonders freute, hatten wir damit doch auch tatsächlich Aussicht auf Falkennachwuchs direkt vor dem Fenster.

 Ab Ende April/Anfang Mai legte das Weibchen dann, wie sich später herausstellte, sechs Eier in das auserwählte Nest. In dem sie sich mit dem Männchen zunächst noch an den Eiern abwechselte. Dann aber die Aufnahme des Brutgeschäftes (nach dem Legen des letzten Eies) durch das Weibchen. Das Männchen übernahm die Fütterung der Partnerin. Und mit der Zeit kam etwas wie Tagesroutine auf.

 Nach knapp einem Monat wurde es immer unruhiger im Nest vis-à-vis und sicher war das erste Junge geschlüpft. Was wir aber natürlich nur erraten konnten. Doch so falsch konnten wir nicht liegen da die Brutzeit der Turmfalken im Schnitt bei 29 Tagen liegt. Gerechnet ab dem Legen des letzten Eies.

 Und so war es dann auch. Nach etwa einer Woche und anstrengenden Fütterungsprozessen war das erste Junge ab und zu schemenhaft zu erkennen. Ca. 14 Tage später waren dann alle Jungen geschlüpft und zu sehen. Und während die Größeren schon probierten Beute alleine aufzunehmen wurden die Kleinen noch in schnabelgerechten Portionen gefüttert.

Doch das Schicksal ereilte Mitte Juni während der Nacht die junge Brut im Falkennest.

Am Morgen fand ich fünf, wahrscheinlich von Marder oder Uhu getötete, Kadaver um ihren Nestbaum verteilt. Das sechste Junge war nicht zu finden und ich ging davon aus das es der nächtlichen Attacke als Beute zum Opfer gefallen war. Erst am Nachmittag kam ich dazu die toten Tiere zu beseitigen. Bei meiner grausigen Mission bemerkte ich dann etwas in den Ästen unserer Eibe hängen und stellte fest, dass ich das sechste Junge gefunden hatte. Glücklicherweise war es noch am Leben und nach einer intensiven Kontrolle auf äußere Verletzungen, welche negativ verlief, nahm der Kleine erst einmal auf meiner Hand platzt. Er hatte sichtlich Kohldampf und Durst. Von Wasser war er wenig angetan also tauten wir in aller Eile einige Stücke Hühnerleber auf, die er mit zunehmender Begeisterung aufnahm. 

So päppelten wir ihn, noch mit ein paar Mehlwürmern, bis zum nächsten Tag auf. Aber eigentlich sollte er ja ein Wildvogel bleiben. Also bemühten wir uns bei den im nahen und weiten Umkreis liegenden Greifvogelauffangstationen um Aufnahme für den kleinen Kerl. Leider vergebens! Denn alle Stationen waren schon restlos überfüllt mit Findlingen. Behalten konnten wir ihn auch nicht. Also haben wir uns hilfesuchend und um einen Tipp bittend an Siggi Schuch gewandt. Und so befestigten wir im Falkenbaum, so hoch wir eben kamen, eine große Wanne mit Papier ausgelegt. Dahinein wurde ein alter Osterkorb mit Kunstgras gestellt. Der kleine Falke on top. 

Skeptisch gingen wir auf Beobachtungsposten im Haus.

Der Kleine war sehr agil und fand seine neue Bleibe bald langweilig. Schon bald irrte er laut jammernd und wehklagend durch das umliegende Geäst.

 

Um doch immer wieder auf seinem neuen „Nest“ zu landen. Und der Ruf der Natur zeigte tatsächlich Wirkung. Obwohl wir die Elterntiere die letzten 48 Stunden nicht gesehen und gehört hatten schien sein Rufen nicht ihre Wirkung zu verfehlen. Zielstrebig fanden beide Alttiere ca. drei Stunden später gemeinsam das geschwisterlose Junge, beäugten argwöhnisch das „grüne Ding“ in dem es saß, fütterten ihn aber dennoch mit der mitgebrachten Beute. Siggi`s Tipp war für das Junge also Gold wert. Man akzeptierte das ungewohnte Nest.

 

Einige Wochen fütterten die Alttiere jetzt im Garten ein paar Etagen tiefer ihren verbliebenen Nachwuchs der rasch heranwuchs und seine Ästlingszeit auch bald zu ersten Flugversuchen nutzte.

Bald darauf verließen uns die Drei, nach noch anfänglichen Kurzbesuchen, endgültig. Eine interessante Zeit ging zu Ende.

Leider wird es unser vorläufig letztes Erlebnis dieser Art mit großen Wildvögeln sein, denn die Elstern und der Sturm im Herbst haben das Nest leider zerstört. Ein neues, künstliches Nest in dieser schwindelnden Höhe einzurichten ist uns leider nicht möglich und so sind wir voll gespannter Erwartung was wir die kommenden Jahre in unserem Garten noch alles erleben.

Wir freuen uns drauf und werden, falls möglich, gerne darüber berichten.

 

Fotos und Text: P. Britz


Wintergäste aus dem hohen Norden zu Gast

Bombycilla garrulus - Seidenschwanz
Bombycilla garrulus - Seidenschwanz

Eine Vogelbeobachtung der besonderen Art konnten Mitglieder der NABU-Gruppe Oppenheim Ende März 2013 vermelden: Im Oppenheimer Wäldchen waren 60 Seidenschwänze für einige Tage zu Gast.

Seidenschwänze leben im borealen Nadelwald im nördlichen Skandinavien und Sibirien. Dort ernähren sie sich im Winter von den Früchten der dort weit verbreiteten Eberesche. In Jahren, in denen die Ebereschen wenig Früchte tragen, ziehen die Seidenschwänze nach Süden. So vagabundieren sie manchmal durch Deutschland und suchen sich früchtetragende Sträucher, an denen sie sich satt fressen. Beeren von Liguster, Feuerdorn, Eberesche sind ebenso willkommene Nahrung, wie nicht geerntete Äpfel oder Birnen. Im Mittelalter traten solche Invasionen zeitgleich mit Pestepidemien auf, weshalb die Seidenschwänze auch Pestvögel genannt wurden.

In Oppenheim ernährten sich die Seidenschwänze vorwiegend von den Beeren der Misteln, die in großer Zahl an den Pappeln in Höhe der Kläranlage wachsen. Nach einigen Tagen Aufenthalt zogen die Vögel weiter – in Richtung ihrer 2.000 km entfernt liegenden Heimat.