Vermüllung unserer Landschaft

Plastik-Wein und Plastik-Kartoffel - unsere schöne neue Zukunft ?

Text Barbara Geiger, Fotos  NABU Rhein-Selz                                                                     August 2019

 

Wer durch unsere Weinberge spaziert, kommt nicht umhin immer öfter auf viel Plastikmüll zu stoßen.

Oft sieht man beschädigte Rebschutzhüllen oder Teile davon ohne Nutzen herumliegen, nicht eingesammelte Pheromondispenser oder auch ganze Plastiksäcke oder Plastikbänder, die durch Wind und Sonne zermürben und zerfetzen und in der Landschaft herumliegen.

 

Ein nicht zu unterschätzender Teil dieser Plastikteile landet in den angrenzenden Flächen, Hecken oder Gewässern, wo er sich mit der Zeit in immer kleinere Partikel, dem Mikroplastik zersetzt und in Gewässer und Boden eindringt. Der andere Teil verbleibt vor Ort und wird durch die landwirtschaftliche Bearbeitung in den Boden eingebracht sofern er nicht vorher entfernt wurde. Auch die illegale Hausmüllentsorgung oder achtlos weggeworfene Flaschen, Zigarettenschachteln und vieles mehr sind zu finden.

 

 

Wir legen großen Wert darauf hier festzuhalten, dass wir nicht den Landwirt oder Winzer an sich anklagen, sondern das Verhalten all derjenigen, die achtlos mit unserer Natur und Landschaft umgehen und ihren Abfall hinterlassen oder sogar in der Natur absichtlich entsorgen. Dazu gehören auch Kaffeebecher und Getränkedosen genauso wie Zigarettenkippen, Taschentücher oder in Plastiktüten verpackter Hundekot.
Diese Vermüllung unserer Landschaft ist nicht nur aus ästhetischen Gründen zu verurteilen, sondern äußerst bedenklich im Sinne der Zukunftsvorsorge. Wir wissen erst teilweise was die Plastikmassen in Wasser, Luft und Erde mit uns, unseren Kindern und unseren ökologischen Systemen machen. In der Regel nichts Gutes.

 

Von den Behörden, landwirtschaftlichen Verbänden und Kommunalverwaltungen erwarten wir mehr ernsthaftes Engagement, die Verursacher zu identifizieren und die Verstöße effektiv zu ahnden. 

Die vielen Appelle der letzten Jahre hierzu reichen offensichtlich nicht aus. Zum Beispiel könnten Flächeneigentümer von ihren Pächtern verlangen, die Pachtflächen sauber zu halten, dies könnte auch in Pachtverträgen verankert werden oder es könnten Bußgelder verhängt werden, die weh tun, um die Ernsthaftigkeit zu verdeutlichen. Bauern- und Winzerverbände könnten ihre "schwarzen Schafe" ebenso nachdrücklich dazu ermutigen, um weiteren Imageschaden durch Einzelne abzuwenden.  Parallel dazu ist eine breite Öffentlichkeitsarbeit zum Thema empfehlenswert.

 

All diejenigen, die sich nicht an diesen Anblick gewöhnen wollen, denen unsere Natur und Landschaft am Herzen liegt und die unsere ökologischen Systeme erhalten wollen, möchten wir dazu ermuntern, sich unseren Forderungen anzuschließen und sich für eine lebenswerte Umwelt aktiv einzusetzen. Vermüllte Landschaften und Ortschaften sollten nicht als neuer Standard toleriert werden.

 

Hintergrund Mikroplastik

Was wir sehen ist nur der sichtbare Plastikmüll, sozusagen die Spitze des Eisbergs. In unseren Ackerböden steckt inzwischen ein Vielfaches an Mikroplastik, verglichen mit den immensen Plastikbergen in unseren Ozeanen. Die Forschung zur Quantifizierung und zu den schädlichen Auswirkungen von Mikroplastik im Boden steht noch am Anfang, doch sind bereits jetzt besorgniserregende Erkenntnisse bekannt. Plastik zersetzt sich, wenn überhaupt nur sehr langsam über Jahrzehnte bis Jahrhunderte und zerfällt dabei in immer kleinere Fragmente. Da Plastik in der Regel mit Zusätzen wie Weichmachern oder anderen Zusatzstoffen behandelt ist, werden diese beim Zerfall auch wieder freigesetzt mit ihren umweltchemischen und ökotoxikologischen Auswirkungen. Insbesondere hormonähnliche Stoffe wie Phthalate und Bisphenol A können das Hormonsystem von Bodenorganismen empfindlich stören. Auch haften organische und metallische Schadstoffe sowie Krankheitserreger gut an Mikroplastikpartikeln, die diese wieder freigeben und Bodenorganismen schädigen können.

 

Regenwürmer und andere Bodenorganismen nehmen die kleinen Plastikpartikel auf und verbringen sie in tiefere Bodenschichten. Das Plastikfressen bekommt den Regenwürmern nicht besonders gut. Manche sterben, andere erreichen nicht ihre normale Größe. Sie bauen ihre Höhlen anders, wenn sich Mikroplastikteile im Boden befinden, was sowohl die Körperfunktionen des Regenwurmes als auch die Bodenbeschaffenheit verändert.

Zerfallen die Mikroplastikteile weiter in Fragmente im Nanobereich können diese von Pflanzen

aufgenommen werden und gelangen so in die Nahrungskette. Im Magen-Darm-Trakt können sie

chronische Entzündungen auslösen und womöglich weitere Organe infiltrieren. Im menschlichen Stuhl wurde Mikroplastik bereits nachgewiesen.

 

Eintrittspfade in den (Acker)boden

Da der Gebrauch und Verbrauch von Plastik zu unserem Alltag gehört, sind die Eintrittspfade in das

Ökosystem Boden vielfältig. Diskutiert wird vor allem der Eintrag aus Reifenabrieb, durch Ausbringung von Klärschlamm, Gärresten und verunreinigtem Kompost, durch Kunstrasenplätze sowie die allgemeine Vermüllung der Landschaft.

Über mit Plastik verunreinigten Bioabfall der Haushalte oder Lebensmittelmärkte gelangt sehr viel

Kunststoff in die Kompostanlagen, deren Produkte dann wieder auf den Acker oder in Gärten gelangen.

 

Abbildung entnommen aus : " Plastik im Boden. Ein noch unbekanntes Problem im Obst- und Weinbau ?, Rehm 2018 "
Abbildung entnommen aus : " Plastik im Boden. Ein noch unbekanntes Problem im Obst- und Weinbau ?, Rehm 2018 "

 

Auch unsere modernen Kläranlagen können kaum Mikroplastik bei der Abwasseraufbereitung herausfiltern und so bleibt das meiste im Klärschlamm zurück, der seit vielen Jahren als Dünger auf die Felder verbracht wurde. Mit der neuen Dünge- und Klärschlammverordnung soll es zukünftig deutlich schwieriger werden, den Klärschlamm auszubringen, da andere Grenzwerte an Schadstoffen und Nitraten einzuhalten sind.

 

Auch über die immer mehr entstehenden Kunstrasenplätze wird in nicht unerheblichem Maße Mikroplastik eingebracht. Problematisch ist vor allem das Kunststoff-Granulat, mit dem der Kunstrasen bedeckt ist, der durch Abrieb und Verwehung in die Umwelt gelangt.

 

Bleibt die Vermüllung der Landschaft (Littering) als Eintrag.

Achtlos weggeworfene Plastikverpackungen, Zigarettenkippen oder nicht eingesammelter landwirtschaftlicher Plastikabfall wie Folien, Rebschutznetze und -hüllen, Pheromondispenser etc. werden durch Wind und Wetter mürbe und fragmentieren oder werden durch die Bodenbearbeitung der landwirtschaftlichen Maschinen zerkleinert und in den Boden eingearbeitet.

 

     
   

 Presseerklärung der Kreisverwaltung Mainz-Bingen: Kunststoffmüll aus der Landwirtschaft bleibt in Acker

 und Weinberg liegenhttps://www.mainz-bingen.de/de/aktuelles/meldungen/2832836071.php

   Juni 2019

 https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-vermuellt-und-verseucht---boeden-in-gefahr-100.html

  März 2019

 https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Pflanzenbau/Boden/_Texte/mikroplastik-im-boden-rolle-landwirtschaft.html;nn=5798726

  08.02.19

 https://biooekonomie.de/nachrichten/mikroplastik-auch-ackerboeden

  09.01.2019

 https://www.nature.com/articles/s41598-018-36172-y

  18.12.2018
 https://www.researchgate.net/publication/330321861_Plastik_im_Boden_Ein_noch_unbekanntes_Problem_im_Obst-_und_Weinbau    Nov. 2018
 https://www.heise.de/tr/artikel/Ist-das-Mikroplastik-im-Boden-wird-es-schwierig-4034999.html    30.04.18
 https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/18364-rtkl-plastikmuell-mikroplastik-boeden-noch-staerker-belastet-als-ozeane    08.02.18

https://www.igb-berlin.de/news/unterschaetzte-gefahr-mikroplastik-auf-dem-trockenen

  05.02.18

https://schleswig-holstein.nabu.de/news/2018/25674.html

  2018

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/gcb.14020

  Dez. 2017

https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/oppenheim/vg-rhein-selz/vg-rhein-selz/in-der-verbandsgemeinde-rhein-selz-mussen-die-klaranlagen-ausgebaut-werden_18405630

  Dez. 2017

https://www.fu-berlin.de/presse/publikationen/tsp/2017/tsp-februar-2017/mikroplastik-im-acker/index.html

  17.02.2017

https://www.researchgate.net/publication/281996177_Microplastic_A_selfmade_environmental_problem_in_the_plastic_age

  Juli 2015

https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/REP0550.pdf

  2015

https://www.bundestag.de/resource/blob/410104/34eca17202ee9d7380e1df34946335c8/wd-8-028-15-pdf-data.pdf

  März 2015

https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/untersuchung-umweltwirkungen-von-verpackungen-aus

  Okt. 2012