Friedhof der Bäume in Uelversheim

Verstümmelung zweier alter Winterlinden

Auf dem  Uelversheimer Friedhof wurden 2 alte Winterlinden dermaßen beschädigt, dass ein mittelfristiges Überleben der beiden circa 230 (!) Jahre alten Baumriesen fraglich erscheint.

 

Am 11.  Mai erhielt die Umweltabteilung der Verbandsgemeinde  Rhein-Selz durch eine aufmerksame Mitarbeiterin der Friedhofsabteilung Kenntnis von einer starken Wurzelkappung beider Winterlinden im Zuge einer Baumaßnahme, die von der Gemeindespitze  Ülversheim beauftragt war.  Es sollte ein neues Urnenfeld mit einem Rundweg drum herum  angelegt werden.  Bei der Anlage des Grabens für den Rundweg wurden  zahlreiche Starkwurzeln bis zu einem Durchmesser von 50cm stammnah einfach gekappt und entnommen.  Dadurch war die Standfestigkeit beider Bäume so massiv eingeschränkt, dass rasch Sicherungsmaßnahmen getroffen werden mussten, da beide Bäume am Haupteingang des Friedhofes stehen und direkt angrenzend eine stark frequentierte Straße für den landwirtschaftlichen Verkehr verläuft.

 

Die Bäume mussten unverzüglich durch neue Seilanker gesichert werden, notwendige  Rückschnittarbeiten wurden in enger Absprache mit der Oberen Naturschutzbehörde vorgenommen. Bei der artenschutzrechtlichen Prüfung  wurde ein Ringeltaubennest mit bebrüteten Eiern vorgefunden.  Um die Störung des Brutgeschehens auf ein Mindestmaß zu reduzieren waren die Baumpfleger gezwungen hier sehr sorgsam vorzugehen und den Schnitt zunächst auf das Notwendigste zu beschränken. Beide Bäume mussten massiv eingekürzt werden, um ihnen die Windlast zu nehmen. Der fragliche Friedhofsteil ist nun für die nächsten Wochen gesperrt, damit die Ringeltauben ihr Jungen aufziehen können. Danach wird über das weitere Vorgehen entschieden. Soweit der uns bekannte Sachstand.

 

Die vor kurzem noch stattlichen Linden – jede immerhin ca. 230 Jahre alt und vor dem Schnitt zwischen 16 und 24 m hoch -, die das Ortsbild und den Friedhof landschaftlich erheblich mit geprägt haben, sind nun verstümmelt von den Wurzeln bis zur Krone, ihr Überleben ist fraglich.  Eine eventuelle Tötung der Taubenbrut durch Umstürzen des Baumes wurde von den Verursachern  billigend in Kauf genommen. Hier wurde ganz eindeutig gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen durch den nicht genehmigten Eingriff in Natur und Landschaft.  Auch die Naturschutzbehörde sieht das so und prüft diesen Fall eingehend.

 

Wie naturfremd und skrupellos kann jemand sein, solch dicke Wurzeln zu durchtrennen. Nicht nur dass hier jegliche Vorgaben zum Natur- und  Artenschutz sowie zur Verkehrssicherheit schon bei der Planung missachtet wurden, da muss doch jegliche innere Hemmschwelle oder ein  Restgefühl für das Richtige fehlen.  Was haben sich die Planer denn gedacht, was passiert, wenn der Bagger auf die Wurzeln trifft? Diese waren doch schon vorher gut zu sehen. Dieses Maß an Inkompetenz ist wirklich unfassbar.  Oder stand hier wieder mal wirtschaftliches Interesse im Vordergrund? Der Bürgermeister von Uelversheim  - selbst Inhaber eines Planungsbüros - ist wahrlich kein Vorbild.

 

Wir können nur hoffen, dass die Verursacher entsprechend zur Rechenschaft gezogen werden und angemessen bestraft werden. Um diejenigen, die dort ihre Lieben beerdigen wollen, tut es uns leid. Ein Ort für Ruhe und Trauer ist das momentan wahrlich nicht.

 

Text und Bilder: Barbara Geiger im Mai 2017

 


Berichte zu unseren Exkursionen

Der Neuntöter brütet in offener Kulturlandschaft mit Hecken und Dornengebüsch. Er spießt erbeutete Insekten gerne auf Dornen zur weiteren Verarbeitung auf.
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