Mehr als 450 telefonische Hilfestellungen kommen bei Nikolaus Strupp im Laufe eines Jahres zusammen und mehr als 80 unmittelbare Einsätze als Ersthelfer für in Not geratene Jung- und Altvögel kommen jeweils noch dazu!
Dass mal große oder kleine Piepmätze in Kaminrohren festsitzen, dass ganze Entenfamilien durch vielbefahrene Straßenräume oder von Hochhaus-Balkonen eskortiert werden müssen, dass junge, flugunfähige Greife in die Horste ihrer Eltern zurückgesetzt werden sollen, dass in der Brutzeit täglich nackte oder kaum befiederte Waisenkinder auf Gehwegen sitzen und dass immer wieder neue Katzenopfer gemeldet werden: All das gehört für Nikolaus Strupp längst zum „Alltagsgeschäft“, auf das er mit viel Erfahrung zu reagieren weiß.
Dementsprechend blickt er nach den langen Jahren auf unzählige Geschichten zurück, die im ersten Moment fast unglaublich erscheinen!
Bei bestem Sommerwetter hat Nikolaus Strupp in einer netten Eisdiele einige seiner markantesten Erlebnisse an mich weitergegeben. Drei seiner bemerkenswertesten Erinnerungen über einen Unglücks-Uhu im Gymnasium, eine schwer verletzte Sumpfohreule und über fünf gequälte Falkengeschwister habe ich für euch festgehalten.
Text: Karin Schütte

Im Jahr 2011 brütete ein Uhupaar erfolgreich im Schutz der Katharinenkirche. Nachdem die Küken mehrfach durch menschliche Hilfe wieder an einen erhöhten Platz hoch oben gebracht werden mussten, wurden aus den unbeholfenen Kleinen entdeckungsfreudige Jung-Uhus. Eines der Geschwister verflog sich Wochen später in den Kaminschacht des Gymnasiums. Trotz der Lautstärke im dortigen Maschinenraum wurde der Hausmeister auf die kratzenden Geräusche im Schacht aufmerksam. Ein Schüler des Gymnasiums, der auch Nik kannte, gab den entscheidenden Tipp und vermittelte den rußgefärbten Pechvogel an unseren NABU-Aktiven. Die „Werkzeuge“ des Vogels, seine mächtigen Krallen, waren „bis aufs Blut“ abgeschabt. Weil zu erwarten war, dass der Uhu daher bis weit ins nächste Frühjahr in geeignetem Umfeld gepflegt werden muss, kam er in die NABU-Auffangstation im Donnersbergkreis. Dort dauerte es noch fast neun Monate, bis die Fänge des Greifvogels wieder komplett nachgewachsen waren. Für die Auswilderung im frühen Sommer wurde dann ein passendes Revier im Hunsrück für ihn ausgesucht.

In Hamm (Rheinhessen) hat vor Jahren der Hund des Hauses eine verunglückte Sumpfohreule im herbstlichen Garten aufgespürt. Diese Eulen sind eigentlich in nördlichen Gefilden zuhause. Dieses Exemplar befand sich wohl auf dem Durchzug ins Winterquartier. Die Verletzungen waren gravierend, denn beim Röntgen wurde ein totaler Schulterabriss (!) festgestellt. Mehrere Fachleute rieten zur Euthanasie, doch ein Wildvogelspezialist unter den Tierärzten, Dr. Sascha Schütz, empfahl trotzdem, auf den möglichen Erfolg einer sehr langwierigen Pflege zu vertrauen. So musste die Eule ganze neun Monate lang von Nik versorgt werden. Und auch mit diesem Pflegling hat er schon frühzeitig in typischen Lautäußerungen kommuniziert, um ihm die Angst zu nehmen und zu seiner Beruhigung beizutragen. Bereits nach ca. drei Wochen antwortete die Sumpfohreule, sobald Nik an die Voliere trat.
Am Ende des Heilungsprozesses wechselte die Eule „ins Trainingslager“ bei der Adlerwarte Rüdesheim. Hier durfte sie, in einer deutlich größeren Voliere, noch einen Monat lang die Flugmuskulatur kräftigen, um sich mit lautlosen Schwingen auf die Freiheit vorzubereiten.
Im Schilfgürtel von Rhein-Dürkheim, in einem Gebiet mit idealen Jagd- und Rückzugsmöglichkeiten, durfte sie dann in ein hoffentlich langes und gesundes Eulenleben starten.

In Schwabsburg suchte sich ein unerfahrenes Falkenpaar den ersten Nistplatz ausgerechnet in einem ausgeräumten Balkonkasten aus. Hier brütete die Falkendame nun ungeschützt in praller Sonne ihre fünf Küken aus. Die Hausbewohner wollten alsbald helfend eingreifen und übergaben die Jungvögel an eine völlig ungeeignete Pflegestelle in einem Nachbarort weiter. Dort wurden sie erneut in einem leeren Balkonkasten untergebracht und ungeschützt extremer Witterung ausgesetzt. Zu allem Übel kam dann aber hinzu, dass die jungen Falken auf unverantwortliche Weise und über einen längeren Zeitraum mit Katzenfutter versorgt wurden…. und bereits nach zwei Wochen eine gravierende Mangelernährung sichtbar war!
Einem aufmerksamen Nachbarn war es schließlich zu verdanken, dass Nik von diesem Drama erfuhr und entscheidend eingreifen konnte. Leider wurden die Jungfalken dann erst nach Androhung einer polizeilichen Amtshilfe in die pflegenden Hände von Nik übergeben. Durch die fehlerhafte Fütterung war es bereits zu erheblichen Entwicklungsunterschieden gekommen, sodass etwa der kleinste Jungvogel gar nicht mit seinen Geschwistern zu vergleichen war. Erst durch das fachkundige Aufpäppeln mit geeignetem „Mäusemenü“ wurden die kleinen Falken gesund, munter und tatsächlich flugfähig! So konnten sie in Dienheim schließlich gut genährt in die Freiheit entlassen werden.