Entwicklung der Steinkauzpopulation  1995 - 2016

Das Eulenjahr 2014

Waldohreule
Waldohreule

 

Unser Eulenjahr startete im Februar mit der Eulenexkursion.

Nach einem  Vortrag zu unseren heimischen Eulen von Siegfried Schuch vor knapp 40 sehr interessierten Zuhörern ging es bewaffnet mit Ferngläsern und Spektiven zunächst auf die Suche der Waldohreule. Diese saß gut versteckt in einer Fichte, ließ den Besucheransturm jedoch geduldig über sich ergehen.

In der fortgeschrittenen Dämmerung machte sich dann ein langer Autokorso auf zu den Uhus. Vorsichtig näherten sich die Teilnehmer dem Aussichtspunkt und wurden alsbald mit zwei Uhus belohnt. Einer der beiden Uhus flog sogar im schwindenden Abendlicht eine große Runde und konnte ausgiebig bestaunt werden.

Uhu, Altvogel
Uhu, Altvogel

Weiter zog der Autotross in die Weinberge, das Verhören der Steinkäuze stand an. Über Tonbänder wurden Steinkauzrufe abgespielt und diese zum Antworten animiert. So erfährt man, welche Reviere besetzt sind. Anfangs etwas verhalten, antworteten dann doch noch 2 Steinkäuze und es konnte ein neues besetztes Revier festgestellt werden. Zum Abschluß ging es dann bei fortgeschrittener Dunkelheit ins Oppenheimer Wäldchen zum Waldkauz. Sehen konnten wir ihn nicht, aber mehrfach deutlich hören. Somit konnten die Teilnehmer bis auf die Schleiereule unsere heimischen Eulen erleben und waren entsprechend begeistert. Viele wünschten sich eine Fortsetzung und so vereinbarten wir, uns wieder im Mai zu den jungen Uhus am Steinbruch zu treffen.

Am Nachmittag des 11. Mai war es dann soweit. Kurz zuvor entlud sich ein solch starkes Gewitter über dem Niersteiner Steinbruch, dass wir schon Schlimmes befürchteten. Doch der Uhu-Gott meinte es gut mit uns. Das Gewitter verzog sich, die Sonne ließ die Erde dampfen und die Uhus konnten sich in der Nachmittagssonne trocknen und aufwärmen. Nach und nach kamen immer mehr Eulenfreunde, die dem Unwetter ebenso tapfer getrotzt hatten. Zur Belohnung konnten die drei ca. 4 Wochen alten Junguhus samt dem Muttervogel durch die Spektive gut beobachtet und alle Fragen zur Lebensweise beantwortet werden. Interessante Gespräche und Diskussionen rundeten den „Uhu-Guck“  erfolgreich ab.

Im weiteren Verlauf des Sommers konnte ich immer wieder die jungen Uhus beobachten wie sie heranwuchsen, in den Felsen herumhüpften, ihr Flügel trainierten oder erste Flugversuche wagten. Inzwischen suchen sie sich bereits ein eigenes Revier. Hier gab es auch dieses Jahr wieder 2 erfolgreiche Bruten mit jeweils 3 Jungvögeln.

 

Gleichfalls erfolgreich waren die Steinkäuze dieses Jahr. Nach dem schlechten Brutergebnis im letzten Jahr ist dies sehr erfreulich. Mäuse waren wieder reichlich vorhanden und in unserer Verbandsgemeinde können wir 24 erfolgreiche Bruten melden, 96 junge Steinkäuze konnten beringt werden. Somit kann der positive Trend der letzten Jahre bestätigt werden und wir können weiterhin von einer stabilen Population ausgehen.

Zum Vergrößern anklicken
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Dies ist nur möglich durch das unermüdliche Engagement der Steinkauzschützer, die die Brutplätze der kleinen Eule in Ordnung halten oder neue Brutplätze zur Verfügung stellen. Ohne diese menschliche Fürsorge wird der Steinkauz bei uns aussterben, da es natürliche Brutplätze bei uns nicht mehr in ausreichendem Maße gibt. Auch die Bäume, auf denen wir die Niströhren anbringen, werden nicht ewig leben. Einige sind schon alt und morsch und haben ihre meisten Tage hinter sich, manche werden aus diesem Grunde entsorgt. Auch hier müssen wir für Nachschub sorgen und sind in besonderem Maße auf kooperative Landwirte angewiesen, Bäume für Steinkäuze auf ihren Äckern rechtzeitig nach zu pflanzen, damit der Steinkauz auch in Zukunft bei uns eine Chance hat.

Groß und Klein lauschten den Ausführungen
Groß und Klein lauschten den Ausführungen

Erfreulich war das große Interesse, einen Nachmittag lang unsere Steinkauzberingung mitzuerleben. Große und kleine Eulenfreunde lauschten den Erläuterungen und bestaunten die jungen Käuzchen, halfen beim Wiegen, Messen, Dokumentieren und lernten so einen Teil der praktischen Arbeit eines Steinkauzschützers kennen. Vielleicht bekommt der eine oder andere ja Lust mitzumachen.

Schleiereule, so wie ich sie auch gern mal sehen würde
Schleiereule, so wie ich sie auch gern mal sehen würde

Für die Schleiereule – in den Neunziger Jahren noch ein häufiger Brutvogel bei uns – ist es derzeit schlechter bestellt. Brutmöglichkeiten in unserer Region beschränken sich in der Hauptsache auf Kirchtürme. Schleiereulen mögen es hoch, dunkel und ruhig. Das Glockengeläut scheint sie hierbei überhaupt nicht zu stören. Als die Kirchen begannen ihre Türme wegen der Taubenplage zu verschließen, wurden Nistkästen in den Kirchtürmen verschiedener Gemeinden eingebaut. Einige dieser Kästen werden bis heute vorbildlich von örtlichen Eulenschützern betreut, andere gerieten in Vergessenheit, da die Betreuer wegzogen, aus Altersgründen den Turm nicht mehr hochsteigen konnten oder wegen anderer Ursachen. So begannen wir im Sommer 2013 diese vergessenen Nistkästen zu finden und wieder instand zu setzten. Ziel ist es einerseits, das alte Nisthilfenprogramm fortzuführen und anderseits damit einen Überblick über den Bestand zu erhalten. Aktuell klagen viele Eulenschützer über einen Rückgang der Schleiereulenbestände. Auch die Profis, die professionellen Eulenforscher, sehen mit Besorgnis diese Entwicklung und diskutieren Ursache und Lösungsstrategien.

Aktuell sind in unserer Verbandsgemeinde 11 Schleiereulenkästen (9 in Kirchen und 2 in Privathäusern) bekannt und werden betreut. Eine Kirche konnte für das Projekt neu gewonnen werden, andere bangen zu sehr um ihre Fassade. Bei den meisten Kästen waren umfangreiche Säuberungs- und Reparaturmaßnahmen nötig.

Fast flügge Schleiereule in Selzen
Fast flügge Schleiereule in Selzen

Doch es gibt sie noch bei uns – die Schleiereule! In Selzen hat sie nach vielen Jahren  mal wieder gebrütet und dann gleich als Schachtelbrut. Bei einer Schachtelbrut wird ein 2. Gelege angelegt bevor die jungen Eulen der ersten Brut ausgeflogen sind. Während der Brutzeit muss dann das Männchen die gesamte Großfamilie alleine durchfüttern. Hier wurden mindestens 12 junge Eulen groß. In Friesenheim wurde eindeutig Schleiereulengewölle samt einem großen Mäusevorrat gefunden. Vielleicht hat hier eine Jungeule aus Selzen geübt? Es bleibt abzuwarten.

In Dienheim wurden 3 Turmfalken groß, die  anderen Nistkästen waren meist von Dohlen besetzt.

Auch wenn es dieses Jahr nur eine Schleiereulenbrut bei uns gab, hege ich die Hoffnung, dass mittelfristig neue Schleiereulen aus den Niederlanden zu uns einwandern. Dort hat sich die Population so gut erholt, dass es ihnen wohl bald zu eng wird und sie sich neue Reviere suchen müssen. Wenn es dann soweit ist, sollen sie bei uns auch geeignete Brutplätze vorfinden.

 

Wer beim Eulenschutz mitmachen möchte ist herzlich willkommen. Tätigkeitsgebiete gibt es viele. Wer nicht in engen Kirchtürmen oder Bäumen herumklettern möchte, kann sich beispielsweise um die Koordination mit den Kirchen oder Landwirten kümmern, seine Erlebnisse niederschreiben oder Fotos zum Veröffentlichen freigeben,  kleine Vorträge in Schulen halten und und und….

Ich freue mich auf Interessierte.                                    

                                                                                                        Barbara Geiger


Steinkauzsaison 2013

Das Alter dieses jungen Steinkauzes schätzten wir aufgrund seines Entwicklungszustandes auf 15 Tage, nach Messung der Handschwingenlänge müsste er aber bereits 20 Tage alt sein.
Das Alter dieses jungen Steinkauzes schätzten wir aufgrund seines Entwicklungszustandes auf 15 Tage, nach Messung der Handschwingenlänge müsste er aber bereits 20 Tage alt sein.

Dieses Jahr hatte es die Steinkauzsaison in sich – für den Steinkauz selbst als auch für die Steinkauzschützer.

Nach dem extrem trüben Winter wurde es auch im Frühling nicht deutlich besser. Erst waren der März und April viel zu kalt und dann wurde es im Mai und Juni auch noch sehr nass. Für unsere kleinen Eulen sind das keine guten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Brutsaison.

Als wir Steinkauzschützer wie jedes Jahr zu Beginn der 2. Maidekade unsere Nistkästen auf diesjährige  Bruten kontrollierten, waren wir doch über das Ergebnis überrascht. Wenn überhaupt gebrütet wurde, saßen die weiblichen Käuze noch auf ihren Eiern oder viele Niströhren waren einfach leer. In den letzten beiden Jahren waren die ersten Jungkäuze zu diesem Zeitpunkt schon geschlüpft.

Bei später wiederholten Rundgängen kamen zwar noch ein paar Brut(versuche) hinzu, doch insgesamt ist festzustellen, dass der Brutbeginn gut 4 - 6 Wochen später als in den letzten Jahren begann und es deutlich weniger Bruten mit deutlich kleineren Gelegen gab. Viele Bruten wurden aufgegeben. Kalte Eier haben wir mehrfach angetroffen, mehrere Jungvögel sind auch verhungert oder verschwunden.

Die meisten Jungkäuze, die bis zur Beringung überlebt haben, machten einen deutlich unterentwickelten Eindruck. Für Siegfried Schuch, seit über 30 Jahren im Steinkauzschutz aktiv, war dieses Steinkauzjahr eines der Schlechtesten, welches er bisher erlebt hat. Doch das ist auch Natur und da müssen auch wir Steinkauzschützer durch.

Ein paar Zahlen….

Der Anteil an erfolgreichen Bruten lag 2013 bei 59%, 2012 wurde in 85% erfolgreich gebrütet. 2013 konnten wir gerade mal 47 Jungvögel beringen während es 2012 beachtliche 84 kleine Käuze waren.

Beringungsdaten der letzten 19 Jahre. Für eine größere Ansicht bitte in die Tabelle  klicken
Beringungsdaten der letzten 19 Jahre. Für eine größere Ansicht bitte in die Tabelle klicken

Erklärungen

Steinkauzgewölle, li und Mitte sind Gewölle von 2012, rechts von 2013. Im rechten Gewölle sind deutlich die Käferreste und die faserige Struktur zu sehen, im mittigen Gewölle erkennt man ein Mäusezähnchen.
Steinkauzgewölle, li und Mitte sind Gewölle von 2012, rechts von 2013. Im rechten Gewölle sind deutlich die Käferreste und die faserige Struktur zu sehen, im mittigen Gewölle erkennt man ein Mäusezähnchen.

Zum einen haben der lange Winter sowie  die ungünstige Witterung im Frühjahr die späte Eiablage begünstigt.  Hinzu kam als weit ausschlaggebendere Ursache für die schwierige Brutsaison der Nahrungsmangel, bedingt durch den Zusammenbruch der Feldmauspopu-lation. Es gab einfach keine Mäuse. Dies passiert alle paar Jahre regelmäßig wieder – und Feldmäuse sind die Hauptnahrungsquelle von Steinkäuzen. So waren sie gezwungen sich hauptsächlich von Regenwürmern, Käfern und anderen Insekten zu ernähren und damit auch noch ihre Jungen großzuziehen. Die Gewölle, die wir fanden schillernden in allen Farben von den unverdaulichen Chitinresten der Käfer, Mäusezähnchen dagegen konnten wir kaum finden. Man kann sich leicht vorstellen, dass viele Käfer erbeutet werden müssen, um den Nährwert  einer Feldmaus zu erreichen.

Uwe Z. - dem kein Baum zu hoch ist - beim Anbringen einer neuen Niströhre.
Uwe Z. - dem kein Baum zu hoch ist - beim Anbringen einer neuen Niströhre.

Auch war es in manchen Röhren von den vielen Regenwürmern sehr feucht und vermatscht, entsprechend sahen die kleinen Käuze auch aus.

Diese schwierigen Bedingungen waren nicht auf Rheinhessen begrenzt. Gleichfalls betroffen sind weite Teile von Südwestdeutschland. Auch hatten nicht nur die Steinkäuze zu kämpfen, natürlich auch andere Eulenarten. Bei unseren Greifvögeln wie Mäusebussard, Turmfalke und Rotmilan gibt es deutlich weniger Nachwuchs aufgrund der fehlenden Mäuse.

Nächstes Jahr werden sich die Mäuse in ihrem Bestand wieder erholen und wenn zur Balzzeit im März das Nahrungsangebot besser sein wird als dieses Jahr, können wir auch wieder eine erfolgreichere Brutsaison erwarten. Bis dahin wünschen wir unseren Steinkäuzen, dass sie gut über den Winter kommen.  Den einen oder anderen werden wir nächstes Jahr auch bestimmt wieder antreffen.

 

Barbara Geiger


Der Steinkauz

Ein Steinkauz in seinem natürlichen Lebensraum
Ein Steinkauz in seinem natürlichen Lebensraum

In einer ungestörten Umwelt lebt der Steinkauz in Höhlen alter Obst- und Nußbäume, die er mit seiner Partnerin auch mehrere Jahre in Folge als Quartier auswählt. Als "Standvogel" wandert der Steinkauz nur selten. Beute findet er in der unmittelbaren Umgebung seiner Wohnhöhle.

Heute ist es schlecht bestellt um den kleinen Eulenvogel. Die im Rahmen von Flurbereinigungsmaßnahmen seit den 30er Jahren durchgeführte Rodung alter knorriger Obstbäume, deren Bewirtschaftung schwer und deren Erträge gering geworden waren, führten zur Wohnungsnot für unseren kauzigen Freund: Baumhöhlen, die der Steinkauz so dringend als Quartier benötigt, wurden Mangelware.

Das rasante Wachstum unserer Ortschaften, dem vielerorts die Streuobstgürtel um die Dörfer zum Opfer fielen sowie die Intensivierung der Landwirtschaft und die damit verbundene Verringerung des Nahrungsangebotes verschärften die Situation zusätzlich. Dabei ist der Steinkauz gar nicht wählerisch: bei ausreichendem Höhlenangebot findet er auch in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten seinen Lebensraum, wenn er einen kleinräumigen Wechsel unterschiedlicher Nutzungsformen vorfindet. In großen Monokulturen hat der Steinkauz dagegen keine Chance.

Heute wird der Steinkauz-Bestand in Rheinland-Pfalz auf unter 300 Brutpaare geschätzt. In der Roten Liste gefährdeter Arten Deutschland von 2009 ist der Steinkauz nach wie vor als stark gefährdet (Kategorie 2) angegeben. Auch wird mit einer verstärkten Abnahme der Brutpaare in den nächsten 10 Jahren gerechnet (Quelle: Rote Liste vom BfN).

 

Das Steinkauz-Schutzpropgramm

Niströhre in einem Nussbaum in Oppenheim
Niströhre in einem Nussbaum in Oppenheim

Der NABU in Rheinland-Pfalz hat Anfang 1997 das landesweite "Artenschutzprogramm Steinkauz" ins Leben gerufen, um die bedrohliche Situation des Steinkauz´ entscheidend zu verbessern. Dabei konnte man auf die 20jährigen Erfahrungen zurückgreifen, die der NABU in Oppenheim und Umgebung beim Steinkauzschutz gesammelt hatte.

An erster Stelle steht die Schaffung eines ausreichenden Höhlenangebots. Sogenannte "Steinkauzröhren", also künstliche Nisthilfen, werden gern von der kleinen Eule angenommen. Damit kann auch kurzfristig schon geholfen werden. Mittel- und langfristig sollten natürliche Brutplätze gesichert bzw. geschaffen werden. Dazu gehört die Pflege und Neuanlage von Streuobstwiesen und Kopfbäumen. Aber auch schon ein einzelner Obstbaum auf dem Acker kann vom Steinkauz besiedelt werden. Hier sind die Landwirte gefordert, deren Ertrag durch einen einzelnen Baum im Feld kaum gemindert wird. Und auch die Unterschutzstellung alter Steinbrüche, deren Nutzung längst aufgegeben wurde, kann für den Steinkauz - und viele andere Tier- und Pflanzenarten - die Rettung bedeuten.

Diesen knapp 5 Jahre alten Gesellen haben wir im Januar 2012 "erwischt", als wir eine kaputte Röhre auswechselten. Laut den Unterlagen war sein Geburtsort ca. 500m Luftlinie entfernt.
Diesen knapp 5 Jahre alten Gesellen haben wir im Januar 2012 "erwischt", als wir eine kaputte Röhre auswechselten. Laut den Unterlagen war sein Geburtsort ca. 500m Luftlinie entfernt.

Unsere Bemühungen weitere Niströhren aufzuhängen, werden dadurch sehr erschwert, dass kaum noch frei stehende Nuss- oder Obstbäume in unserer ausgeräumten Landschaft zu finden sind. Isoliert stehende Bäume, d. h. frei von Hecken und Büschen sind deswegen wichtig, da in diesem Unterbewuchs sich der Steinmarder als einer der häufigsten Freßfeinde des Steinkauzes sehr wohl fühlt und sich oft dort aufhält. Auch Waldränder sind ungeeignet, da dies das Gebiet des Waldkauzes ist, ebenfalls ein Freßfeind des Steinkauzes.

Um den Erfolg der Bemühungen zu dokumentieren, werden die Steinkäuze beringt. So lassen sich wichtige Erkenntnisse über Altersstruktur, Herkunft und Wanderungen des Nachtvogels gewinnen.

Der Steinkauz ist ausgesprochen standorttreu, die ausgeflogenen Jungkäuze suchen sich in der Regel ein Revier in der Nähe ihres Geburtsortes. Ringkontrollen bei erwachsenen Steinkäuzen ergaben in Rheinhessen eine mittlere Entfernung von 3 Km Luftlinie zwischen Geburtsort und neuem Revier. Die von uns größten bisher dokumentierten Entfernungen waren: Ein in Nierstein beringtes junges Steinkauzweibchen hat sich im 92 km entfernten Kandel niedergelassen; ein zweites in Zornheim geborenes Weibchen ist 119 km bis nach Liederbach (Hessen) geflogen und ein 1998 in Bodenheim beringtes Jungtier hat 2004 in Meißenheim bei Freiburg gebrütet und damit eine Entfernung von 172 km Luftlinie zurückgelegt.

Die in der Literatur angegebene durchschnittliche Lebenserwartung beträgt bei weiblichen Steinkäuzen 4 Jahre, die der männlichen etwas weniger. Bei knapp 20 % unserer Wiederfunde waren die Steinkäuze 5 Jahre oder älter. Der bisher älteste Steinkauz wurde 2009 in Oppenheim im stolzen Alter von 10 Jahren bei einer Ringkontrolle gefunden. Es war auch eine weibliche Eule.

 

Bruterfolge

 

Die unten abgebildete Grafik zeigt die Anzahl der beringten Steinkäuze und die Anzahl der erfolgreichen Bruten im Einzugsgebiet unserer Ortsgruppe im Zeitraum von 1995 – 2012. Es sei darauf hingewiesen, dass die zugrundeliegenden Daten nicht unbedingt vollständig sind. So sind im Jahr 2008 nur Beringungen aus 3 Ortsgemeinden gemeldet worden. Es ist unwahrscheinlich, dass dies durch mangelnde Bruten verursacht ist, wahrscheinlicher sind Zeitnöte der ehrenamtlichen Beringer.

 

2012 gab es insgesamt 26 Bruten. Das ist ein ganz passables Ergebnis. Hiervon waren 4 Bruten (15%) nicht erfolgreich. Von diesen 4 sind in 2 Fällen im Zeitraum zwischen Brutkontrolle und geplanter Beringung die Bruten verschwunden, wobei in einem Fall noch Überreste eines Jungtieres gefunden wurden, sodass diese Brut (5 Eier bei Brutkontrolle) mit hoher Wahrscheinlichkeit einem Fressfeind zum Opfer fiel. Bei der zweiten verschwundenen Brut (3 frischgeschlüpfte Jungtiere bei Brutkontrolle) wurden keine Spuren gefunden. Zwei weitere nicht erfolgreiche Bruten waren späte Bruten (Mitte Juli) und haben ebenfalls nicht überlebt. Bei einer späten Brut konnte Ende Juni immerhin ein drei Wochen alter Steinkauz beringt werden.

Zum Vergrößern bitte auf Bild klicken
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Steinkauzschutz in der Praxis

Die 'Kids' betrachten sehr interessiert  einen Steinkauz
Die 'Kids' betrachten sehr interessiert einen Steinkauz

In der u.a. Grafik sind die Tätigkeiten des Steinkauzschutzes wie Bestandserfassung, Beringung und Wartung der Niströhren im Zusammenhang mit den Lebensphasen des Steinkauzes dargestellt.

Die Frühjahrsbalz beginnt Mitte Februar und dauert i.d.R. bis Mitte April. Dieser Zeitraum ist sehr geeignet, sich einen Überblick über die vorhandenen Steinkäuze zu verschaffen. Mit Hilfe von Steinkauz-Rufen auf einem Tonband werden die Käuze zum Antworten animiert. So erfährt man, welche Reviere besetzt sind.

 

Der Legebeginn ist abhängig vom Nahrungsangebot und der Witterung, liegt aber meistens zwischen 15. März und 30. April. In Abhängigkeit von der Feldmausdichte legt der Steinkauz im Abstand von 1 – 2 Tagen 6 bis 7 weiße, nahezu kugelige Eier. Nach einer Brutdauer zwischen 22 und 30 Tagen schlüpfen die jungen Steinkäuze, die anschließend eine Woche lang intensiv gehudert werden. Ab 10. Mai können dann die Niströhren auf eine erfolgreiche Brut kontrolliert und diese dem zuständigen Beringer mitgeteilt werden. Vorher sollte man die brütenden Steinkäuze keinesfalls stören, da ein hohes Risiko besteht, dass das Gelege aufgegeben wird. Zweitbruten sind bei uns nicht nachgewiesen.

Zum Vergrößern bitte auf Grafik klicken
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So eine kleine Eule zu berühren ist schon ein besonderes Erlebnis
So eine kleine Eule zu berühren ist schon ein besonderes Erlebnis

Die Jungvögel verlassen im Alter von etwa 35 Tagen die Nisthöhle und klettern in die nähere Umgebung. Ab dem 38. bis 46. Lebenstag können Jungvögel kurze Strecken fliegen. Sie halten sich in der Nähe der Bruthöhle auf und werden von beiden Elternvögeln gefüttert.

Der Familienverband löst sich auf, wenn die Jungvögel ein Alter von zwei bis drei Monaten erreicht haben. Der größte Teil der Jungvögel siedelt sich in einer Entfernung von weniger als 10 Kilometer vom Geburtsort an.

Die ausgebrachten künstlichen Nisthöhlen können nicht sich selbst überlassen, sondern müssen jährlich gereinigt werden. Erfolgt dies nicht, so werden sie spätestens im zweiten Jahr von Staren, Gartenschläfern oder anderen Höhlenbrütern besetzt und zugebaut und somit für Steinkäuze unbrauchbar. Die Reinigung kann ab Juli/August erfolgen, kurz bevor die jungen Steinkäuze das elterliche Revier verlassen.

Im Einzugsgebiet unserer Ortsgruppe sind ca. 100 Nistkästen aufgehängt, die einer konstanten Pflege bedürfen.

 

Im Herbst ihres Geburtsjahres beherrschen die jungen Steinkäuze fast das ganze Stimmrepertoire und verbreiten auch den Reviergesang.

Oktober und November patrouillieren die Männchen erneut verstärkt ihre Reviergrenzen und greifen Reviereindringlinge an. Diese territoriale Phase der Balz zielt primär auf das Abdrängen der Jungvögel sowie das Sichern des Beutepotentials für den kommenden Winter.

 

Barbara Geiger & Siefgfried Schuch

 

Weitere Informationen:

Nahrungs- und Habitatanalyse am Steinkauz (Athene noctua) in Rheinhessen

Artenschutzprogramm Steinkauz des NABU Rheinland-Pfalz

Der Steinkauz - Vogel des Jahres 1972