Juni 2022

 

Der Kleine Schillerfalter wurde zum Falter des Monats Juni gewählt

 

Text und Fotos:   Wolfgang Düring (- Text geringfügig ergänzt von Jochen Eidel -)

 

Der BUND Rheinland-Pfalz gemeinsam mit Vertretern des NABU und weiterer Naturschutzorganisationen wählten diesen einzigartigen Tagfalter zum Schmetterling des Monats Juni 2022.

 

Dieser wunderschöne Falter fliegt jetzt auf breiten Waldwegen und in den Auen. Er saugt gerne an Pfützen, verabscheut aber auch nicht Schweiß (- ist deshalb manchmal sehr “anhänglich“ -) sowie andere tierische und menschliche Ausscheidungen…

 

Die Flügeloberseiten der Männchen schillern im Sonnenlicht blau. Auch auf Grund einiger sehr heißer und trockener Jahre ist der Falter allerdings in manchen Regionen selten geworden.

 

Kurzporträt & Verbreitung

Der Kleine Schillerfalter kommt noch in fast allen warmen und bewaldeten Gebieten in Rheinland-Pfalz vor. Er ist ein typischer Bewohner der Rheinauen, kommt aber ebenso im warmen waldarmen Rheinhessen in Waldnähe vor. Er wurde sowohl am Oppenheimer Strandbad, in Guntersblum, in Nieder-Olm und weiteren Orten gesichtet, und ist sowohl im Ober-Olmer Wald, im Binger Wald und im Soonwald und im Pfälzer Wald heimisch. Seltener ist er in den höheren, kühlen und bewaldeten Lagen unserer Mittelgebirge zu finden.

 

Der Kleine Schillerfalter bewohnt zwar oft die gleichen licht bewaldeten Habitate wie der Große Schillerfalter, ist aber wärmeliebender als seine Schwesterart. Er lebt in einer Generation, in einigen Gebieten (z. B. in den Rheinauen) in zwei Generationen pro Jahr. Er fliegt von Juni bis Juli, die zweite Generation im August und September, und überwintert als Raupe auf dem Wirtsbaum seiner Raupen, der Zitterpappel (Espe).

 

 

 

 

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

August

September

Oktober

November

Dezember

Ei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Raupe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Puppe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Falter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

August

September

Oktober

November

Dezember

 

Entwicklungsstadien des Kleinen Schillerfalters während des Jahres

Falterbeschreibung

Der Kleine Schillerfalter gehört zur Familie der Edelfalter. Die Flügeloberseite ist bei der Stammform (Apatura ilia form ilia) in der Grundfarbe dunkelbraun mit einer Binde aus weißen Flecken und weißen Punkten am Saum der Hinterflügel. Diese Form wird als „Blauschiller“ bezeichnet.

 

 

 

 

Kleiner Schillerfalter (Männchen) – braun-weiße Stammform Apatura ilia form ilia

 

Sowohl auf dem Hinterflügel wie auch auf dem Vorderflügel befindet sich ein rotbraun umrandeter deutlicher schwarzer Fleck. Die Flügelunterseite der Hinterflügel ist verschwommen braungrau mit einem hellen Keil und einem rotbraun umrandeten Punkt. Die Unterseite der Vorderflügel ist braungrau meliert mit schwarzen und weißen Flecken und einem deutlichen großen schwarzen Punkt in einem rotbraunen Feld. Die Fühlerspitzen sind gelb.

 

Sehr verbreitet tritt noch eine zweite Form des Kleinen Schillerfalters auf (Apatura ilia form clytie). Bei dieser Form ist die Grundfarbe der Flügeloberseiten rötlich-braun, die hellen Flecken sind vor allem an den Flügelrändern deutlich rötlicher gefärbt und nicht weiß wie bei der Stammform. Diese Form wird wegen der rötlichen Grundfarbe etwas irreführend als „Rotschiller“ bezeichnet, obwohl die Männchen auch bei dieser Form blau schillern.

 

 

 

 

Kleiner Schillerfalter (Männchen) – rötliche Form– ilia form clytie

 

Bei den Männchen und nur bei diesen schillern die Flügeloberseiten bei geeignetem Einfallswinkel des Sonnenlichtes blau. Ansonsten zeigen sich die Flügeloberseiten in der jeweiligen Grundfarbe, wie das bei den Weibchen unabhängig vom Lichteinfall immer ist.

 

Die Raupen ernähren sich von den Blättern der Zitterpappel (Espe), seltener auch anderer Pappel- oder Weide-Arten. Charakteristisch sowohl für die Raupen sowohl des Großen als auch des Kleinen Schillerfalters sind die beiden Kopfhörner, wodurch die Tiere ein wenig an Nacktschnecken erinnern (s. Abb. unten).

 

Sowohl Raupen als auch Puppen sind durch ihre grüne Färbung gut getarnt!

 

 

Kleiner Schillerfalter – L5-Raupe

 

Artenschutz / Gartengestaltung

Der Kleine Schillerfalter ist für RLP auf der Roten Liste als „Stark gefährdet“ eingestuft. Für Deutschland insgesamt ist er auf der Vorwarnliste aufgeführt. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist die Art als „besonders geschützt“ eingestuft.

 

Eine sonnig stehende junge Espe in einem Garten am Waldrand kann in Gegenden mit Vorkommen des Kleinen Schillerfalters durchaus zu Eiablagen auf diesem Baum führen.

 

Zur Erhaltung der Art wird die Espe im Garten nur einen geringen Beitrag leisten können. Dazu ist es wichtiger, dass die Weichholzzonen mit Zitterpappeln und Salweiden z.B. neben Wegen oder an Rändern von lichten Laubwäldern erhalten bleiben und sich durch alternierende Pflegemaßnahmen immer wieder erneuern können.

 

Zur Erhaltung der Art ist auch ein möglichst natürlicher Zustand der Auwälder größerer Flüsse von Vorteil, deshalb müssen die noch vorhandenen Restbestände der Auen mit Pappeln unbedingt erhalten werden.

 

Das Aufhängen von Meisenkästen in Wäldern ist hinsichtlich des Schutzes von Raupen deshalb eher kontraproduktiv!

 

Weitere Infos:

 

https://www.bund-rlp.de/themen/tiere-pflanzen/schmetterlinge/artenportraets-der-tagfalter/#c3698

 

 

Mai 2022

 

Das Landkärtchen wurde zum Falter des Monats Mai gewählt

 

Text und Fotos:   Wolfgang Düring, Jochen Eidel

 

Der BUND Rheinland-Pfalz gemeinsam mit Vertretern des NABU und weiteren Naturschutzorganisationen wählten diesen einzigartigen Verwandlungskünstler zum Schmetterling des Monats Mai 2022.

 

 Kurzporträt & Verbreitung

 

Das Landkärtchen (Araschnia levana) kommt in allen Regionen in Rheinland-Pfalz vor, so natürlich auch in Rheinhessen. Es bevorzugt naturnahe, lichte Wälder und selten gepflegte halbschattige, feuchte Weg- und Gewässerränder.

 

Ausschließliche Futterpflanze der schwarzen, bedornten, gesellig lebenden Raupen, die max. 22 mm lang werden können, ist die Brennnessel. Das Landkärtchen überwintert als Puppe.

 

Es lebt in zwei, manchmal auch partiell in drei Generationen pro Jahr.

 

 

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

August

September

Oktober

November

Dezember

Ei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Raupe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Puppe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Falter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

August

September

Oktober

November

Dezember

 

Entwicklungsstadien des Landkärtchens während des Jahres

 

Die Färbung des Falters ist je nach Jahreszeit sehr unterschiedlich: Dieser Saisondimorphismus, der zwar auch bei anderen Tierarten (- auch Säugetieren! -) vorkommt, dennoch aber selten auftritt, wird beim Landkärtchen hauptsächlich durch die Tageslänge und -temperatur während der Entwicklung von der Raupe bis zum Ende des Puppenstadiums gesteuert.

 

Die beiden Generationen unterscheiden sich farblich sehr deutlich (s. nachstehende Beschreibung); deshalb wurden diese vom Erstbeschreiber Linné ursprünglich für zwei verschiedene Arten gehalten. Erst 1829 wurde zweifelsfrei bewiesen, dass es sich um nur eine einzige Art handelt.

 

Außergewöhnlich sind auch die kunstvoll aufgeschichteten Ei-Türme des Landkärtchens (s. Foto unten), die aus bis zu je 10 Eiern bestehen können.

 

 Falterbeschreibung

 

Das Landkärtchen gehört zur Familie der Edelfalter. Die rotbraune Frühjahrgeneration erscheint Ende April, die schwarz-weiße Sommergeneration fliegt bis Anfang September.

 

Die Falter der Frühlingsgeneration (mit durchschnittlich 32 - 38 mm Flügelspannweite) sind kleiner als jene der Sommergeneration ( 38 - ♀ 43 mm Flügelspannweite).

 

 Landkärtchen Frühjahrsform

 

Die Frühjahrsform (Araschnia levana f. levana) hat eine rötlichbraune Grundfarbe mit schwarzen Punkten und zur Mitte hin schwarzen Flächen. Einzelne kleine weiße Flecken und blaue Halbmonde im schwarzen Rand des Hinterflügels ergänzen das sehr harmonische Gesamtbild.